Wie kam’s zum 1. Herzinfarkt

Ich saß als Teilnehmerin in einem Seminar und die Schmerzen im Brustkorb wurden immer stärker. Kalter Schweiß stand mir auf der Stirn. Mir wurde schlecht. Ich musste mich übergeben. Der Notarzt war unterwegs. Es war eine Ärztin. Schön. Mein Sichtfeld wurde immer kleiner als würde im Theater der Vorhang zugehen. Dann wurde es finster für mich.

Als ich wieder aufwachte, lag ich total verkabelt im Bett. Intensivstation.

Am nächsten Morgen – immer noch Intensivstation – meinten die Ärzte, dass ich nach dem Offensichtlichen eigentlich hätte keinen Herzinfarkt bekommen dürfen: Kein Übergewicht, Nichtraucherin, keine Pille, Blutwerte top.

Doch alle Untersuchungen zeigten klar und deutlich: Herzinfarkt.

Mein Blutdruck ging praktisch durch die Decke, stellenweise 220/160. Die Geräte schlugen Alarm. Alle rannten aufgeregt um mich herum. Ich spürte nichts.

Die Ärzte erklärten mir, dass hoher Blutdruck nicht immer spürbar ist. Deshalb sei er so gefährlich. Am 4. Tag der Intensivstation war ich einigermaßen transportfähig und man fuhr mich in eine andere Klinik zum Herzkatheter.

Der Arzt fragte, ob ich am Bildschirm zuschauen möchte … natürlich will ich. Ein Schnitt in der rechten Leiste und los ging’s. Er erklärte mir genau, was auf dem Bildschirm zusehen war, wo sich die Kamera gerade befindet. Gleich sind wir beim Herzen. Kaum in den Herzkranzgefäßen angekommen meinte der Arzt: „Ja, Frau Reimann, sie rauchen ja doch?“ „Nein, ich habe vor fast 17 Jahren aufgehört.“ Er erklärte mir, dass mancher Körper die Ablagerungen an den Blutgefäßen nur sehr langsam abbauen und er deshalb meine Raucherzeit noch erkannte.

Meine Herzkranzgefäße sehen aus wie Korkenzieher, erklärte er mir und er wollte wissen, ob ich Schmerzen hätte, an denen ich schon jahrelang leiden würde. Mir viel nichts ein, außer … meiner Migräne, die mich schon viele Jahre plagte. Und in den Migränephasen hatte ich auch immer sehr hohen Blutdruck. Er fragte nach der Behandlungsmethode. Mein Arzt gab mir Schmerzmittel mit der Bemerkung: Sind die Schmerzen weg, sinkt auch wieder der Blutdruck. Das war eine falsche Schlussfolgerung. Er hätte mich wegen Bluthochdruck behandeln müssen, dann hätte ich auch keine Migräne gehabt. Denn die trat nur auf, wenn Blutdruck über 200. Und meine Herzkranzgefäße wären dann auch nicht so deformiert worden. Der kurzzeitig sehr hohe Blutdruck brachte ein Gefäß zum Abknicken und so kam er … der Herzinfarkt.

Nach weiteren 3 Tagen Intensivstation wurde ich auf die normale Station gebracht und es ging langsam aufwärts.

Ein herzliches Dankeschön an das Personal der Clinic Neuendettelsau und vor allem an das der Intensivstation.

Es war März 2003. Ich hatte ein 2. Mal Geburtstag.